Nachdem unser Plan direkt nach Bermuda zu segeln windbedingt kurzfristig nicht vernünftig umsetzbar ist, machen wir uns zu den Turks – und Caicos Inseln auf. Drei volle Segeltage sind dafür notwendig. Wir treffen die letzten Vorbereitungen, Michi kocht noch feine Rindsrouladen vor und vollgetankt wird auch wieder einmal.
Freitag Mittag ging’s los, am Montag wollen wir auf der Insel Grand Turk anlanden. Die drei Segeltage sind eine gute Vorbereitung auf die langen Etappen, die vor uns stehen. Wind und Wetter passen perfekt, am ersten Tag schaffen wir 142 Seemeilen – ganz brav für unsere Crossover. Wir lassen es uns an Bord nicht schlecht gehen…
Nochmal die Burganlage am Hafeneingang von San Juan…Michis feinste Rindsrouladen mit chilenischem Merlot 🙂
Mittlerweile haben wir fast Halbzeit, drei Tage sind ja rasch vorbei…besonders in einer solchen Umgebung! Hier der Sonnenuntergang gestern Abend:
Wir sind schon gespannt auf die Turks und Caicos, dort soll es ausnehmend schöne Tauchplätze geben! Inzwischen genießen wir die Überfahrt und halten uns mit lokalen Produkten fit 😉
Wir bleiben noch ein paar Tage in Puerto Rico, da sich kein brauchbares Wetterfenster für die Weiterfahrt nach Bermuda auftut. Wir machen einen Ausflug ins Landesinnere und besuchen die Ortschaft Cayey.
Die Leute hier sind stolz auf ihre Musiker und die Salsa. Im lokalen Musikmuseum (in der Größe eines großzügigen Einfamilienhauses) werden wir mit Enthusiasmus in die lokalen Musik-Errungenschaften eingeführt!
Die nationalen InstrumenteUnser Museumsführer vor der Plattensammlung der städtischen KapelleHier eine Gitarre der armen Leute – mit einer Konservendose als ResonanzkörperEine historische Tonwalze…funktioniert noch!
Sonst gibt’s hier nur die Kirche und den Ortsplatz mit Ringelspiel…
…wir fahren weiter nach Guavate, ein wenig höher in den Bergen und berühmt für die Spanferkel (Lechôn), die hier zur Perfektion gegrillt werden! Das mussten wir natürlich kosten!
Zurück in San Juan sehen wir uns noch etwas in der Stadt um. Beim Regierungsgebäude gibt es eine Ehrengalerie der amerikanischen Präsidenten, die Puerto Rico besucht haben – mit (über-) lebensgroßen Statuen.
Das ParlamentsgebäudeMichi mit Barack Obama
In der gesamten Karibik waren uns immer die freilaufenden Hühner aufgefallen – im dem eher klein strukturierten Setting der Karibikinseln ist uns das aber nicht sonderlich ungewöhnlich erschienen. Hier in der Großstadt San Juan (mit Einzugsgebiet ca. 2,5 mio Einwohner) ist das viel auffälliger! Mitten in der Innenstadt laufen Hühner und Hähne frei herum – hier in einem Gastgarten. Angeblich wird die Hühnerpopulation durch die Hurricane immer wieder verweht und verteilt – somit gibt es keine Besitzer und sie überleben offenbar ganz gut – auch hier im “urbanen Habitat”.
Wir beschließen, morgen weiter auf die Turks & Caicos Inseln zu segeln und besuchen daher noch den Zoll zum Ausklarieren – weniger vergnüglich aber halt auch notwendig, da die Turks & Caicos Inseln wieder zu England gehören…
Nach zwei Tagen in San Juan, besichtigen, einkaufen und allerhand sonstigen Erledigungen haben wir uns einen Leihwagen genommen und sind in den El Yunque National Forest aufgebrochen – ein tropischer Regenwald, der noch dazu nach relativ intensiven Regenfällen gestern und heute Vormittag mit Wasser vollgesogen ist!
Einen Halbtag verbrachten wir im Besucherzentrum, um uns über die Gegebenheiten zu erkundigen und die Besonderheiten, die endemischen Pflanzen und Tiere und ein wenig auch die Geschichte des National Forest kennen zu lernen.
Unser blitzblauer Leihwagen!Die Eingangshalle des Besucherzentrums
Schon in unmittelbarer Umgebung des Besucherzentrums tut sich eine Vielfalt an Vegetation auf!
Bananen mit BlüteHummerklauen – HeliconieElefantenohr-Alocasias
Am nächsten Tag am Vormittag gings dann hinaus in den Wald. Wir machen eine mehrstündige Wanderung auf dem La Coca Trail zum Rio de la Mina – teils auf schwierigem Gelände, alles nass und wegen lehmigem Boden und vielen Blättern am Boden extrem rutschig. Einige Bäche sind zu überqueren, diese führen wegen der vorangegangenen Regenfälle ordentlich Wasser! Ein klein wenig “Indiana Jones – Feeling! 😉
Bambus – himmelhoch!Heliconia Blüten en massePalmenwurzelnBromelien in Riesengröße
Zum Abschluss steigen wir noch zu einem Turm in der Nähe des höchsten Punktes des National Forest auf – von hier aus haben wir einen schönen Rundblick auf dieses grüne Paradies!
Da wir für die Reise von Culebra nach San Juan etwa zehn Stunden veranschlagen, stehen wir bald auf und segeln bereits kurz nach sechs in der Früh los. Es waren gute Winde vorhergesagt und wir sind bei achterlichem Wind flott unterwegs – wenn auch etwas schaukelig ;-)!
Am Nachmittag kommen wir in San Juan an und freuen uns, wieder mal in einer größeren Stadt zu sein.
Bevor wir in den Hafen einfahren bekommen wir zuerst Hochhauszeilen, dann historische Gebäude zu sehen!
Die Vorstädte von San JuanDas RegierungsgebäudeKoloniale AltstadtDas Castillo San Felipe del Morro……bewacht direkt die Hafeneinfahrt
Wir ankern in der Hafenbucht, gehen noch Essen und freuen uns auf den Landgang am nächsten Tag. Wir packen wieder mal unsere Bordfahrräder aus, diese sind bei Besichtigungstouren eine absolute Mobilitäts-Wucht!
San Juan und die Insel Puerto Rico spiegeln die koloniale Geschichte der Karibik am deutlichsten wieder. Über 400 Jahre haben die Spanier diese Insel und besonders den Hafen San Juan als Hauptanlaufstelle ihrer Flotte für die Verbindung zu allen Kolonien rund um die karibische See genutzt. Die Dominanz der Spanier wurde von den anderen europäischen Nationen bekämpft und lies im Laufe der Jahrhunderte immer mehr nach. Viele Kolonien erkämpften die Unabhängigkeit und erst 1898 wurden die Spanier schließlich von den damals immer stärker werdenden Amerikanern abgelöst – nach einem Großangriff auf San Juan mit anschließendem Friedensvertrag, der auch die Philippinen und die pazifische Insel Guam mit berücksichtigte. Die Befestigungsanlagen in San Juan sind jedenfalls Zeuge der jahrhundertelangen Verteidigung dieses wichtigen Stützpunktes gegen alle möglichen Angreifer!
Auch der Friedhof ist sehenswert!Soldatenunterkunft
Dieser Herr hier mitten am Castell-Gelände lässt sich durch uns auch nicht stören. Er ist übrigens Vegetarier – trotz des drachenhaften Aussehens!
Bei recht kräftigem Wind segeln wir nach Culebra – eine nette Insel, die zwischen den American Virgin Islands und Puerto Rico liegt und zu Puerto Rico gehört. Puerto Rico ist ein amerikanisches Außengebiet – die Bürger sind US-Staatsbürger, allerdings dürfen sie nur lokal in Puerto Rico wählen, nicht aber bei gesamtamerikanischen Wahlen. Eine etwas sonderbare Konstruktion, aber solange die Schulden von Puerto Rico so groß sind wie sie sind, wird Puerto Rico wohl nicht zum 51. Bundesstaat werden…
Für uns heißt das, dass wir beim Eintreffen in Culebra zwar nicht zur Immigrationsbehörde müssen – da wir ja von den US-Virgin Islands kommen – sehr wohl aber zur Zollbehörde. Die hat ihren Sitz am (sehr kleinen Sport-) Flughafen.
Wir ankern in der lagunenartigen Bucht von Culebra – mit dem Dinghi geht’s an Land, dann ein kleiner Spaziergang und wir sind beim Flughafen…
Am Weg zur ZollbehördeHinter dem Begrüßungsbogen das Flughafengebäude…
Danach besuchen wir den Ort Culebra – alle Leute sind sehr nett und freuen sich auf ein kurzes Gespräch. Aufgrund der spanischen Hauptsprache ist der Akzent hier recht sympatisch – oft ist ein leichtes Lispeln dabei, wie man es aus dem Spanischen halt kennt…
Skulptur an der Einfahrt zur LaguneBeim HauptplatzIguanas liegen hier öfter mal rum…Eine kleine Stärkung zwischendurch…
Bevor wir an die Westseite der Insel weitersegeln, besuchen wir noch das Dinghi Dock – ja, auch hier gibt es ein Lokal diesen Namens (wie auch auf St. Maarten), und auch hier essen wir ganz wunderbar!
Heute Früh gings dann in die Tamarindo Bay an der Westseite der Insel – von hier aus haben wir einen besseren Absprung für den morgigen Schlag nach San Juan/Puerto Rico.
Nach dem Ankermanöver gehen wir eine Runde schnorcheln, die Korallen hier sind besonders vielfältig.
Ein bisschen Vorsicht ist anscheinend geboten, die Amerikaner hatten hier ein Truppenübungsgelände und es wird auf Blindgänger hingewiesen. Aufgefallen ist uns gottseidank nichts, aber wir sind gewarnt…
Nachdem wir Sabine und Benno verabschiedet haben, blieben wir noch ein paar Tage in Charlotte Amelie – Einkaufen, Wäsche waschen, Boot putzen, Haare schneiden…einfach wieder mal die alltäglichen Dinge erledigen! Michi hat sich als Friseurin hervorgetan – im do-it-yourself-Verfahren und bei mir!
Wieder mit……Sommerschnitt!
Bevor wir uns auf Culebra begeben, machen wir noch zwei Tauchgänge vor St. Thomas – einen beim “Life Tank” Riff und einen beim Wrack der JBK – es dürfte eine kleine Fähre sein, die hier versenkt worden ist.
Jedenfalls konnten wir wieder schöne Unterwasserbilder mitnehmen!
Michi beim AbstiegUnsere Tauchpartner
Verschiedene Trichterkorallen…z.T. riesig!
FeuerfischDiverse……Korallen
Auch ein Schwarzspitzenhai schaute kurz nach, wer da in seinem Revier rumturnt…aber recht interessiert haben wir ihn nicht, er hielt gehörig Abstand…
Auch ein Trompetenfisch….…und eine Moräne waren dabei!RöhrenkoralleAnemoneMichi 😉
Ein kleiner Eindruck von so einem Wrack…
Nach den Tauchgängen ging’s dann zurück auf die Crossover und nach kurzer Vorbereitung weiter auf die Insel Culebra – diese gehört zu Puerto Rico und somit auch zu den Außengebieten der USA. Weitere Infos demnächst in diesem Theater 😉
Der Heimflug von Sabine und Benno nähert sich in Riesenschritten, wir begeben uns noch für ein paar Tage in die Christmas Cove auf der kleinen Insel Great St. James. Dies ist eine sehr nette Bucht mit zwei feinen Riffen, die zum Schnorcheln einladen! Die Überfahrt ist recht flott – immer hart am Wind und mit ordentlich Lage – die Mannschaft erweist sich als seefest!
Nach der Ankunft gibt’s wieder mal einen Rigg-Check. Alle Komponenten des Riggs werden einer genauen Sichtprüfung unterzogen. Das dafür notwendige Aufentern auf den Mast funktioniert recht gut!
Wir haben wieder feine Schnorchelrunden und danach gönnen wir uns eine Pizza von Pizza Pi – einem kleinen Schiff, welches als Pizzeria ausgestattet ist und von zwei jungen Amerikanern betrieben wird – eine Kuriosität, die wir unbedingt probieren müssen!
Das Pizzeria-SchiffPizzaausgabe durch die Heckklappe!
Zwei kleine Schnorchel-Highlights müssen hier auch noch rein – ein Ammenhai auf der Suche nach einer Jause – wahrscheinlich ein Oktopus – rausgekriegt hat er ihn allerdings nicht…und eine Schildkröte im Schönheitssalon – mit Putzerfischen am Panzer!
Heute Früh ging’s dann wieder zurück nach Charlotte-Amelie und wir mussten Abschied nehmen. Wir hatten drei feine Wochen gemeinsam mit Sabine und Benno, nun geht’s für die Beiden wieder nach Hause – und auch wir werden uns schön langsam wieder Richtung Heimat orientieren, wenngleich die Reise um einiges länger dauern wird…
Abschiedsdrink an BordWir bringen die Beiden zum TaxiAuf geht’s Richtung Flughafen
Nach mehreren Tagen im Nationalparkgebiet der Insel St. John müssen wir uns wieder mal verproviantieren und setzen Kurs auf Charlotte Amelie. Ein ausgiebiger Einkauf ist vonnöten, der Supermarkt ist in Charlotte Amelie vom Ankerplatz aus gut zu erreichen und die Schlepperei nicht allzu weit – die Bord-Sackrodel bewährt sich immer wieder!
Am Weg nach Charlotte Amelie immer wieder……drehende Winde und Böen zwischen den Inseln!…shoppers paradise!
Nach dem Großeinkauf gibt’s noch einen Stadtbummel, einen Besuch im Braulokal Taphus und ein gutes Abendessen im Greenhouse – Michi und ich sind eingeladen!
Das Regierungsgebäude in Charlotte AmelieGemütliche Craft-Biere……im Braulokal Taphus
Am nächsten Tag ging’s in die Honeymoon Bay, wo wir uns vor Anker legen und den Palmenstrand (und die Strandbar) genießen.
Zurück auf der Crossover werden einige der frischen Sachen gleich verkocht!
Wir sind bereits an der Nordseite der Insel St. John, immer noch im Nationalparksbereich, und liegen in der Waterlemon Bay an einer Nationalparksboje. Das Bezahlsystem ist etwas eigen, aber durchaus sympathisch. Man legt bei einem kleinen Floß an, füllt ein Kuvert mit aufgedrucktem Formular aus, gibt das Geld ins Kuvert und steckt es in eine Art Briefkasten. Den Bestätigungsbon reißt man vorher vom Kuvert ab…
Dass wir in einem Nationalpark sind, erkennt man auch an unseren Mitbewohnern in der Bucht!
Am Ostersonntag gibt’s ein wunderbares Frühstück, die Ostereier sind aber bei uns weiche Eier, von Sabines künstlerischer Hand verziert!
Danach machen wir uns auf den Weg zur Annaberg Sugar Mill – einem kleinen Freilichtmuseum, das die Geschichte der Zuckerproduktion hier in der Gegend gewidmet ist. Damit in Verbindung steht natürlich die Sklaverei, die mit der Zuckerproduktion untrennbar verbunden ist. Auf den britischen Inseln, die nur etwa zwei Seemeilen entfernt sind, war die Sklaverei bereits abgeschafft. Hier herüben – auf den damals Dänemark gehörenden Inseln noch nicht. Viele Sklaven versuchten die Flucht, etliche ertranken oder wurden von Booten gestellt und gefangen oder erschossen – nur wenige schafften den Weg in die Freiheit!
Das war der Blick in die Freiheit:
Da drüben gab’s die Skaverei bereits nicht mehr…Windmühle zum Antrieb der PresswalzenBrotbackofen zur Ernährung der SklavenEindickpfanne für den SirupÜberblick über die AnlageSiedehausTermitenbau am Wegesrand
Zum Abschluss wieder ein paar Eindrücke vom Schnorcheln der letzten Tage…